Synodale Vollversammlung – für junge Erwachsene ein Desaster

Vorsitzende der Katholischen Hochschulgemeinden kritisiert Ergebnisse der 4. Synodalen Vollversammlung

(Bonn-Köln, 20. September 2022) Gut zehn Tage nach dem Ende der 4. Vollversammlung des Synodalen Weges zieht die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Hochschulgemeinden (AKH), Magdalena Schmitt (Köln), ein deutliches Fazit. Die Rückmeldungen aus vielen Hochschulgemeinden machen klar: Für junge Erwachsene stellt diese Versammlung ein Desaster dar. Schmitt fordert entschiedene Konsequenzen aus dem Abstimmungsverhalten einer Minderheit von Bischöfen für die zukünftige Konstruktion synodaler Versammlungen. Macht müsse auf allen Ebenen der Kirche wirklich geteilt werden und die Repräsentanz der Generationen müsse gerechter erfolgen.

Am Rande der Bundesversammlung der Evangelischen Studierendengemeinden äußerte sich die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Hochschulgemeinden zu den Ergebnissen der 4. Vollversammlung des Synodalen Weges. „Ich stehe mit einer Reihe von jungen Menschen in der Synodalversammlung im Austausch, und ich habe wahrgenommen, wie die Reaktion auf das Scheiterndes Textes zur Weiterentwicklung der katholischen Sexuallehre in den Hochschulgemeinden ausgefallen ist. Viele engagierte junge Erwachsene an den Hochschulen sind tief erschüttert von der Art und Weise, wie hier eine Minderheit von Bischöfen den Weg zu einer zeitgemäßen Neubewertung von geschlechtlicher Identität, Sexualität und Beziehungsgestaltung verbaut hat.“ Schmitt erwartet, dass die Verantwortlichen in den Diözesen dennoch alle Handlungsspielräume, die ihnen gegeben sind, nutzen, um den dringend notwendigen Perspektivwechsel des Grundsatzpapieres in die Praxis umzusetzen. „Alles andere ist jungen Erwachsenen nicht mehr vermittelbar. Ohne erkennbaren Grund wird die Glaubwürdigkeit unserer christlichen Botschaft in Frage gestellt.“

Weiter kritisiert Schmitt das eklatante Machtungleichgewicht im Synodalen Prozess. „Nach der jahrelangen Vertuschung der ungeheuer vielen Fälle des sexuellen und geistigen Missbrauchs durch Kleriker brauchen wir eine radikale Systemveränderung der Missbrauch begünstigenden Machtstrukturen. Macht muss neu verteilt werden. Sonderquoten bei Abstimmungen für Kleriker oder für Bischöfe tragen nicht zu einer solchen Veränderung bei und widersprechen aus meiner Sicht schlicht dem Grundsatz der Gleichwertigkeit aller Getauften. Wir müssen diesem Grundsatz in unserer Kirche viel stärker Wirkung verschaffen. Und es gilt auch, eine gerechte Vertretung aller Generationen zu organisieren. Dass die Gruppe der unter 30-Jährigen in einer Versammlung von 230 Personen mit gerade einmal 15 Personen vertreten ist, drückt den vorherrschenden Paternalismus in unserer Kirche aus. Das muss ein Ende haben.“

Schmitt bedankt sich ausdrücklich bei allen Menschen in der Synodalversammlung und den Foren, die im Synodalen Weg für Veränderungen eintreten und auch nach dem Scheitern des Grundtextes „Leben in gelingenden Beziehungen“ weiter für systemische Veränderungen in der katholischen Kirche kämpfen. „Ich danke all diesen Menschen – auch den dialogbereiten Bischöfen -, dass sie stellvertretend für viele Gläubige mit großem persönlichem Einsatz dafür gerungen haben und weiter ringen, dass unsere Kirche die Glaubwürdigkeit für ihre Botschaft wieder herstellen kann. Ganz besonders denke ich da an die Gruppe der unter 30-Jährigen und die Angehörigen von Minderheiten, die auch dann nicht schweigen, wenn sie immer wieder diskriminiert und die eigenen Grenzen ständig überschritten werden. Vor ihrem Mut und ihrem Engagement habe ich großen Respekt!“

 

Kontakt:    Magdalena Schmitt                                        

Dr. Lukas Rölli              (0163) 339 23 67         

 

Bild: (c) Synodaler Weg/Jochen Reichwein

 

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