10 Jahre Forum Hochschule und Kirche

Mit einem Festakt in den historischen Räumen des ehemaligen Minoritenklosters in der KHG Bonn feierte das Forum Hochschule und Kirche e.V. (FHoK) am 20. Mai 2011 in Bonn sein zehnjähriges Bestehen. Im Beisein von rund 90 Gästen aus den Mitgliedsorganisationen und Hochschulgemeinden, von Partnern aus Kirche, Theologie und Hochschulen sowie Vertretern der Hochschul- und Jugendpolitik würdigte Weihbischof Dr. Werner Guballa die Leistungen des FHoK als subsidiäre Unterstützungsstruktur der Kirche an den Hochschulen. In einem Podiumsgespräch mit Professor Dr. Peter Hünermann diskutierten Vertreter der Hochschulpastoral über die Bedeutung der Hochschulgemeinden als Berührungspunkte zwischen christlicher Botschaft und säkularer Hochschulwelt und über die Herausforderungen, die mit dieser Position in Kirche und Gesellschaft verbunden sind. 90 Gäste aus den Mitgliedsorganisationen und Hochschulgemeinden sowie Freunde und Förderer aus Kirche und Theologie, Hochschulen, Ministerien und Politik feierten den 10. Jahrestag der Vereinsgründung des Forums Hochschule und Kirche als Dachverband der Katholischen Hochschulpastoral.

Zum Auftakt des Festakts begrüßte Hochschulpfarrer Jürgen Weber (Mannheim, 1. Vorsitzender des Forums) zusammen mit seinen beiden Vorstandskollegen Tobias Weber (Doktorand, Köln) und Robert Lappy (Hochschulreferent, Erzbischöfliches Ordinariat München-Freising) die anwesenden Gäste und führte durch das Programm des Nachmittags und Abends. Umrahmt von Klaviermusik aus verschiedenen Epochen, interpretiert von Cusanus-Stipendiat Toni Ming Geiger, blickte zunächst Weihbischof Dr. Werner Guballa (Mainz) als der für Hochschulpastoral verantwortliche Bischof in der Deutschen Bischofskonferenz auf die Gründungsgeschichte und die “ersten” zehn Jahre des Forums Hochschule und Kirche zurück. In seiner Laudatio nahm er die Feierstunde zum Anlass, sich des Auftrags der kirchlichen Präsenz an der Hochschule wieder einmal grundsätzlich zu vergewissern: “Alle, die wir Kirche in unterschiedlichsten Funktionen an der Hochschule präsent machen, alle stehen wir in der Sendung Christi.” Guballa verglich die Hochschulpastoral mit einer verlässlichen “Docking station” inmitten der hohen Fluktuation und Beschleunigung des Hochschulbetriebs: Sie ist dafür da, “dass man sich an ihr in ein geschütztes Netzwerk der Nachhaltigkeit und Wesentlichkeit einklinken kann. Und sie ist dafür da, dass man an ihr seinen Akku wieder aufladen kann, was unter dem zunehmenden Druck des Hochschulsektors” notwendiger denn je ist. Als “Docking station” stehe Hochschulpastoral in der Spannung zwischen Sammlung und Sendung Christi. Ihr gehe es einerseits “um die Formung eines Wissenschaftsethos und die Förderung christlicher Eliten”, andererseits “um geistliche Begleitung und konkrete Lebenshilfe für Hochschulangehörige auch in Problemlagen – also Spiritualität der Stärke und Diakonie für Hilfsbedürftige.” Zwischen diesen beiden Polen kann Hochschulpastoral ein breites Angebotsspektrum bieten, das von Liturgie, sakramentalen Heilsdienst über geistliche Begleitung, Persönlichkeitsentwicklung, Gastfreundschaft, Beratung, Lebenshilfe bis hin zu Synergien zwischen Bildung und Wissenschaft oder Hochschulpolitik und Kultur reicht.

In seinem Impulsreferat zu den Perspektiven der Hochschulpastoral in einer säkularisierten Gesellschaft warf der Tübinger Theologe und langjährige Wissenschaftliche Beirat des FHoK, Prof. Dr. Peter Hünermann, vor dem Hintergrund der aktuellen Lage der Kirche in Deutschland einen sehr grundsätzlichen Blick auf die Aufgaben und Rollen von Christinnen und Christen an den Hochschulen. Dazu nahm er zunächst das “Rahmenkonzept zur Qualifizierung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterin in der Hochschulpastoral” in den Blick, das in den Anfangsjahren des Forums Hochschule und Kirche gemeinsam erarbeitet worden ist. Hünermann schrieb dem Forum und seinen Mitgliedern für die “mindestens nächsten zehn Jahre” ins Stammbuch, nicht immer nur von Kirche zu sprechen und – zugespitzt formuliert – weniger als “Ekklesiasten” zu agieren, sondern als Christen im Raum der Wissenschaften und Hochschulen als sichtbare Zeugen für die befreiende Botschaft Jesu Christi ein- und aufzutreten. Im Rückgriff auf das Neue Testament und die Tradition des Zweiten Vatikanischen Konzils stellte er die Hochschulpastoral vor die Frage, “ob wir nicht sehr viel mehr, als dies im ausgearbeiteten Rahmenkonzept und den entsprechenden Veranstaltungen zutage tritt, Inspirationen von “Ad gentes” [Dekret über die Missionstätigkeit der Kirche vom 7. Dezember 1965] brauchen, wo im Grunde genommen eine Sendungstheologie in Bezug auf nichtchristliche Milieus erarbeitet wird. Wir arbeiten ja weitgehend in einem nichtchristlichen Milieu in der heutigen Universität.” Für den leidenschaftlichen Theologen und Freund der Hochschulseelsorge Hünermann ist die “Arbeit in Hochschulgemeinden Arbeit in Pilotprojekten, in denen das Antlitz Jesu Christi und sein Geist neu zu entdecken sind.” Die daran anknüpfende Podiumsdiskussion unter Moderation der ZDF-Redakteurin Michaela Pilters versammelte verschiedene “Praktiker” der Hochschulpastoral in einer Runde: Zusammen mit Prof. Dr. Peter Hünermann diskutierten die beiden Studierenden Elisabeth Zschache (Philosophie-Doktorandin, Berlin) und Stephan Schmitz (VWL-Student, Köln), Dr. Monika Tremel (Nürnberg) und Stephan Ohlendorf (Hannover), die beide (als kirchliche Laien) eine Hochschulgemeinde leiten sowie Dr. Peter Krawczack (Leiter der Abteilung Schulpastoral und Hochschulen im Generalvikariat Köln).

Im Gespräch kristallisierte sich unter den Disputanten der Wunsch an zeitgemäße Hochschulpastoral heraus, dass sie nicht aufhören darf, Freiraum zu bieten und zu sein: Hochschulgemeinden und die Seelsorge in ihnen stehen unter dem Anspruch, frei zu sein und frei zu machen von Leistungsdruck und universitären Zwängen. Die Studierenden und Hochschulseelsorger auf dem Podium plädierten gemeinsam für Hochschulgemeinden als Räume mit offenen Türen und Seelsorger/innen und Referent/innen mit offenen Ohren für die Sorgen und Nöte, Träume und Wünsche ihrer Gemeinde und Hochschule. Am Ende der Podiumsdiskussion wurde der letzte “freie Stuhl” auf dem Podium für Mitdiskutanten aus dem Publikum geöffnet, das sich rege an der Diskussion beteiligte. Eine abschließende kabarettistische Einlage des Münchener Hochschulseelsorgers Michael Seitlinger hielt den Spiegel vor aktuelle Entwicklungen in Hochschulpastoral und Kirche und schaffte den gelungenen Übergang zum anschließenden Sektempfang im historischen Kreuzgang der KHG Bonn.

Das Jubiläum “10 Jahre Forum Hochschule und Kirche e.V.” fand seinen ermutigenden Abschluss im Festgottesdienst, der von Studierenden, Hochschulseelsorger/innen, Chor und Organist der KHG Bonn und unter der Leitung von Weihbischof Guballa gefeiert wurde. Den Aufruf des Bischofs, dass Kirche aus der Gesinnung Christi heraus dialogisch sei, und diesem Auftrag stets treu zu werden und ihn immer wieder zu überprüfen habe, hörten die versammelten Gäste aufmerksam. Der Festakt klang mit einem gemeinsamen Essen aus, bei dem Feiern und der rege Austausch über die vergangenen und zukünftigen Jahre des Forums Hochschule und Kirche e.V. nicht zu kurz kamen.

Teilen mit:
Veröffentlicht in FHoK

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*