![]() | Anlässlich der aktuellen Ereignisse hat der Vorstand des Forums Hochschule und Kirche die folgende Stellungnahme veröffentlicht: |
Die Aufhebung der Exkommunikation der Bischöfe der Priesterbruderschaft Pius X. und die begleitenden Umstände haben zu großen Irritationen geführt und die Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche in der Öffentlichkeit beschädigt. Zahlreiche Katholische Hochschulgemeinden haben in Aktionen und Stellungnahmen deutlich gemacht, dass sie als Kirche an den Hochschulen fest auf dem Boden des Zweiten Vatikanischen Konzils stehen. Von den Verantwortlichen in der Kirchenleitung erwarten sie zu Recht, mit aller Klarheit deutlich zu machen, dass es innerhalb der Kirche nicht möglich ist, die Grundlagen des Konzils zu relativieren oder infrage zu stellen.
Die Ereignisse der vergangenen Tage haben deutlich gemacht, wie wichtig es ist, das Bewusstsein für die Grundlagen zu vertiefen, die das Konzil für das Selbstverständnis unserer Kirche und für deren Verhältnis zur Welt und zu den anderen Religionen gelegt hat. Als Kirche an den Hochschulen leisten die Katholischen Hochschulgemeinden hierzu einen wichtigen Beitrag. Sie führen weiterhin einen offenen Dialog mit den Wissenschaften; sie unterstützen Studierende und Lehrende darin, einen vernünftig verantworteten Glauben zu entwickeln, und sie pflegen die Quellen der Liturgie, in der die Gemeinschaft der Gläubigen zum Ausdruck kommt. Sie fördern das Engagement von Laien in Kirche und Gesellschaft und setzen sich für die Achtung der Menschenrechte, für Gerechtigkeit, Frieden und Demokratie in der einen Welt ein. Die ökumenische Zusammenarbeit und der Dialog zwischen den Religionen sind auch weiterhin zentrale Aufgabenbereiche der Kirche an den Hochschulen. Ohne die theologischen und pastoralen Ergebnisse des Konzils wäre diese Arbeit, die die Hochschulgemeinden im Auftrag der Bischöfe tun, nicht denkbar. Umso bedauerlicher ist es, dass zahlreiche Rückmeldungen aus den Hochschulen gezeigt haben, wie stark die Präsenz und die Glaubwürdigkeit der Kirche an den Hochschulen durch diese Ereignisse beschädigt wurden.
Die Vertreter der Priesterbruderschaft Pius X. ignorieren oder verneinen bis heute grundlegende Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils wie die zur Religionsfreiheit, zur Würde des individuellen Gewissens, zum universellen Heilswillen Gottes, zum gemeinsamen Priestertum aller Gläubigen, zur Ökumene, zur besonderen heilsgeschichtlichen Rolle der jüdischen Brüder und Schwestern, zum Kollegialitätsprinzip von Papst und Bischöfen oder zur Reform der Liturgie.
Es ist zu begrüßen, dass der Kardinalstaatssekretär in seiner Note vom 4. Februar klarstellt, dass eine Aufnahme der Priesterbruderschaft Pius X. in die Kirche ohne volle Anerkennung der gesamten Tradition und Lehre der Kirche und des Zweiten Vatikanischen Konzils nicht möglich ist, und dass die Leugnung oder Verharmlosung der Shoa für die Kirche unannehmbar ist.
Jede Unklarheit über die Bedeutung des Zweiten Vatikanischen Konzils beeinträchtigt die Präsenz und die Glaubwürdigkeit der Kirche an den Hochschulen empfindlich. Deshalb erwarten wir für die Zukunft, dass die Verantwortlichen in der Leitung unserer Kirche das Konzil beim Wort nehmen, sich unmissverständlich für seine Anliegen und Beschlüsse einsetzen und keinen Zweifel an seiner Gültigkeit aufkommen lassen.
Bonn, 5. Februar 2009









