
Professoren-Memorandum ist ein wichtiger Beitrag zur Erneuerung der Kirche
(Bonn,
„Das Memorandum der über 200 Theologieprofessorinnen und –professoren hat natürlich gerade im Raum der Hochschulen ein besonders interessiertes Echo ausgelöst“, berichtet Hochschulpfarrer Jürgen Weber aus Mannheim. Der Vorsitzende der Dachorganisation der katholischen Hochschulpastoral in Deutschland, Forum Hochschule und Kirche (FHoK), hat in den vergangenen Jahren die desaströsen Auswirkungen beobachten können, die die Vorgänge um die Rehabilitierung der Piusbruderschaft und um die Aufdeckung der Mißbrauchsskandale auf die Professorenschaft und die Studierenden in vielen Hochschulen hatten. „Selbst uns wohlgesonnene Wissenschaftler reagieren zunehmend mit Unverständnis auf das Kommunikationsverhalten und die Dialogverweigerung mancher Teile der Kirchenführung.“
Elisabeth Zschache, Philosophiepromovendin und Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der rund 125 Katholischen Hochschulgemeinden (AKH) begrüßt das Memorandum: „Das Memorandum eröffnet einen notwendigen öffentlichen Dialog über den gegenwärtigen und zukünftigen Weg unserer Kirche, den sich viele engagierte Mitglieder aus den Hochschulgemeinden wünschen. Die Mehrheit der jungen Akademikerinnen und Akademiker erwarten eine respektvolle und wissenschaftlich fundierte Auseinandersetzung über drängende Fragen unserer Kirche. Dazu liefert das Memorandum wertvolle Impulse.“ Zschache bedauert, dass die öffentliche Wahrnehmung des Textes sich auf einige wenige ‚skandalträchtige’ Themen wie etwa die Aufhebung der Zölibatspflicht fokussiere. Genauso wichtig seien etwa Veränderungen der Kommunikationsstrukturen und mehr Verantwortung für engagierte Gläubige in der Kirche. „Leider kommen in den Medien oft lediglich Randpositionen zu Wort wie etwa jene der ‚Generation Benedikt’ oder die radikaler Kirchenreformer. Ich wünsche mir, dass Papst Benedikt XVI. die Gelegenheit seines Deutschlandbesuches nutzt, um mit der ganzen Vielfalt der Meinungen junger erwachsener Christinnen und Christen in unserem Land in Berührung zu kommen.“
„Die vorschnellen und teilweise respektlosen Reaktionen mancher Kritiker des Memorandums, die in den letzten Tagen publik geworden sind, stellen für die Glaubwürdigkeit unserer Präsenz an den Hochschulen eine ernsthafte Belastung dar“, beobachtet der Stuttgarter Hochschulpfarrer Matthias Haas, Vorsitzender der Konferenz für Katholische Hochschulpastoral (KHP) in Deutschland. „Wie sollen wir als Kirche im säkularen Raum der Wissenschaft überzeugen, wenn das ernsthafte Anliegen von fast der Hälfte unserer Theologieprofessoren – darunter viele angesehene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler - einfach in Bausch und Bogen abgeurteilt wird? Wenn es der Kirchenleitung und den großen katholischen Laienorganisationen nicht gelingt, nun in einen auch öffentlich wahrnehmbaren, von gegenseitigem Respekt und von theologischer Sachorientierung getragenen Dialog einzutreten – wie er von der Deutschen Bischofskonferenz und dem ZdK eröffnet worden ist -, dann verlieren wir immer mehr Sympathisanten in der akademischen Welt. Glaube, Wissenschaft und die konkreten Erfahrungen der Menschen bedingen sich gegenseitig und müssen kontinuierlich in einem offenen und kritischen Dialog gehalten werden. Dieser Dialog muss auch die Realitäten unserer verfassten Kirche zum Thema machen und überprüfen. Und wenn dieses Vorhaben hier scheitern sollte, hätte das fatale Auswirkungen auf die Glaubwürdigkeit, mit der wir das Evangelium den Menschen zu verkünden haben.“
„Den Dialog über die Erneuerung der Kirche in dieser Form auch an den Hochschulen voranzubringen, erachte ich als eine unserer großen Herausforderungen in der Hochschulpastoral“, meint Jürgen Weber. „In den Katholischen Hochschulgemeinden lebt eine Kirche, die von einer demokratischen Gesprächs- und Beteiligungskultur geprägt ist, in der Entscheidungsprozesse transparent vermittelt werden und die Lebensrealität der Glaubenden ernst genommen werden. Um der Botschaft des Evangeliums willen, muss sich die Kirche, müssen sich die Glaubenden der Realität der Gegenwart, dem Wissen des Menschen über sich selbst und dem Selbstverständnis des modernen Menschen stellen, dann können wir als glaubwürdige Kirche hoffnungsvoll in die Zukunft des 21. Jahrhunderts blicken.“
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