Studierende und Hochschulseelsorger:innen unterstützen deutsche Bischöfe in ihrer Kritik an Vatikan-Instruktion

Studierende und Hochschulseelsorger:innen in Deutschland unterstützen deutsche Bischöfe in ihrer Kritik an Vatikan-Instruktion

Gemeinsame Stellungnahme von FHoK, KHP und AKH

(Bonn, 21. September 2020)   Am 20. Juli hat die Vatikanische Kleruskongregation eine Instruktion zum Thema „Die Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche“ erlassen. Diese ist von gravierenden inneren Widersprüchen geprägt. Während sie in ihrem ersten, pastoraltheologisch formulierten Teil eindrucksvoll Mut zur Veränderung einfordert, die gemeinsame, geistgewirkte missionarische Sendung aller Gläubigen betont und dazu aufruft, „eine ‚Klerikalisierung der Pastoral‘ zu überwinden“ (38), liefert sie im folgenden, kirchenrechtlich formulierten Teil eine konservative und angstvolle Lesart des geltenden Rechts mit Fokus auf der alleinigen Leitungsgewalt des Pfarrers. Leitungsmodelle durch Priestergemeinschaften werden diskutiert, „Laien“ wird hingegen die Fähigkeit zur Gemeindeleitung – auch im Team – abgesprochen. Dazu nehmen der Vorstand des Forum Hochschule und Kirche (FHoK), die Konferenz für Katholische Hochschulpastoral (KHP) und die Arbeitsgemeinschaft Katholischer Hochschulgemeinden (AKH) gemeinsam Stellung.

Die deutschen Bischöfe, Theolog:innen und Verbände reagierten mehrheitlich mit Kritik auf das Papier und bezeichneten es unter anderem als “realitätsfern und rückwärtsgewandt“[1]. „Theologisch defizitär“ nannte es der Bamberger Erzbischof Dr. Ludwig Schick, und fügte hinzu: „Die bloße Erinnerung an die Canones des Codex von 1983 ohne die Lehrentwicklung und ohne Berücksichtigung der konkreten Verhältnisse vor Ort ist auch aus kanonistischer Sicht nicht annehmbar.“[2]

Darum zeigt sich das Forum Hochschule und Kirche (FHoK) erschrocken über die Vatikanische Instruktion zu den Pfarrgemeinden und sieht keinen ermutigenden und zukunftsorientierten Beitrag hinsichtlich der pastoralen Entwicklung der Kirche in Deutschland. Es begrüßt ausdrücklich, dass eine Reihe von Ortsbischöfen in Deutschland kritisch auf die Instruktion reagiert und die Bedeutung von kooperativen und partizipativen Strukturen in den Pfarreien betont haben. Es teilt die Sorgen vieler Bischöfe, wie sie u. a. Bischof Peter Kohlgraf in Mainz formuliert hat: „Und zum anderen sorge ich mich um die vielen (noch) Engagierten. Bald werden sie genug davon haben, wenn ihr Engagement nur misstrauisch beäugt und von oben herab bewertet wird. Ich brauche diese Menschen, die Gesellschaft braucht ihr Glaubenszeugnis. Ich höre, dass zunehmend keine Motivation mehr herrscht, in einer Kirche mitzumachen, die so auftritt.“[3]

Daher befürchten das Forum Hochschule und Kirche und die AKH und die KHP, die in ihm zusammenwirken, einen Schaden für alle Gemeinden, wie ihn bereits die Würzburger Synode formulierte: „Da aber in zunehmendem Maße Gemeinden keinen Priester mehr haben und eine bloße Zuordnung zu dem Pfarrer einer Großgemeinde mit gelegentlicher Eucharistiefeier keine lebendige Gemeindeleitung bewirkt, werden Diakone und bewährte Laien mit besonderem Auftrag wichtige Funktionen einer Gemeindeleitung übernehmen müssen; ohne eine solche verantwortliche Bezugsperson leidet die Gemeinde erheblichen Schaden.“[4] Diese Feststellung in den Beschlüssen der Gemeinsamen Synode, die im Geist des Aggiornamento des Zweiten Vatikanums stattfand, erweist sich somit als gültiger denn je.

In den rund 125 Katholischen Hochschul- und Studierendengemeinden in Deutschland versuchen engagierte Studierende, Hochschulseelsorger:innen und Wissenschaftler:innen, Formen einer sich gegenseitig wertschätzenden und stärkenden Gemeinschaft innerhalb der Kirche zu verwirklichen – in Diakonie, in Liturgie und im Zeugnis für die Frohe Botschaft Christi. Für dieses Zeugnis auf dem Campus braucht es Mut. Junge Menschen bekennen sich zu einer Kirche, die im universitären Umfeld häufig als antiquiert und autoritär eingeschätzt wird. Sie wollen in ihrem Engagement ernst genommen und in ihren Fähigkeiten anerkannt werden. Dazu gehört auch die Übernahme von Leitungsverantwortung.

Wir möchten die Deutsche Bischofskonferenz unterstützen, auf dem Weg zu einer partizipativen Kirche mutig fortzuschreiten.

Das FHoK begrüßt daher ausdrücklich den Einsatz der Bischöfe und Theolog:innen für eine geschwisterliche Kirche, die die Würde und Verantwortung aller Getauften respektiert und fördert. Ein herzlicher Dank geht darüber hinaus an alle engagierten Studierenden und Hochschulangehörigen, die vor Ort das Gemeindeleben tragen, gestalten und nicht selten gerade durch ihr eigenständiges Denken und Handeln fruchtbare Veränderungen bewirken.

Als FHoK wünschen wir uns eine Kirche, die

  • die Rolle des Leitungsamtes und des priesterlichen Dienstes wirklichkeitsnah weiterentwickelt,
  • die gleichrangige Partizipation aller Getauften stets im Blick behält, eine festgelegte Spaltung in „Hirten“ und (zwangsläufig) „Behirtete“ überwindet,
  • einen offenen und ehrlichen Dialog zur Beteiligung aller im Leben und Leiten der Gemeinde führt,
  • ein Gemeindebild entwickelt, das den aktuellen Herausforderungen standhält.

 

Lars Hofnagel                         Magdalena Schmitt                       Christine Schardt
(1. Vorsitzender FHoK)          (AKH-Vorsitzende)                       (KHP-Vorsitzende)

 

 

Zur Vertiefung stellt die Geschäftsstelle des FHoK für alle Hochschulgemeinden die u.s. Dokumentation mit dem Originaltext sowie zahlreichen Stellungnahmen und Einordnungen zur Verfügung. Alle Hochschulseelsorger*innen sowie Studierende und Universitätsangehörige sind eingeladen, Rückmeldungen und Kommentare an die Geschäftsstelle des FHoK zu richten (s. http://www.fhok.de/kontakt-2/).

 

Dokumentation

Zusammenstellung von Stellungnahmen zur Instruktion der Vatikanischen Kleruskongregation (Stand 13.08.2020)

Pressemeldung zum Download

 

Ansprechpartner:innen für mehr Informationen:

Lars Hofnagel (1. Vorsitzender FHoK)         

Magdalena Schmitt (AKH-Vorsitzende)       

Christine Schardt (KHP Vorsitzende)           

Dr. Lukas Rölli (FHoK, Geschäftsführer)     

 

 

[1]  www.katholisch.de/artikel/26483 – 10.08.2020

[2]  Stellungnahme auf der Homepage des Erzbistums Bamberg am 23. 7. 2020: https://glauben.erzbistum-bamberg.de/nachrichten-aus-dem-bereich–glauben-/erzbischof-schick-zur-instruktion-der-kleruskongregation/

[3]  Stellungnahme auf der Homepage des Bistums Mainz am 22. Juli 2020: https://bistummainz.de/pressemedien/pressestelle/nachrichten/nachricht/Wir-haben-einen-guten-Weg-eingeschlagen/

[4]Gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland 1976, Dienste und Ämter 2.5.3


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