Kardinal Woelki zur KHP: „Es ist gut, dass Sie da sind an den Hochschulen!“

(Bad Honnef-Bonn, 10. September 2015) Gut 80 Hochschulseelsorger und -seelsorgerinnen aus ganz Deutschland sowie 15 Gäste aus Ordinariaten und aus Österreich berieten vom 8. bis 10. September bei der KHP-Herbsttagung im Katholisch-Sozialen Institut in Bad Honnef darüber, wie die Kirche ihre Präsenz im Hochschulraum zukunftsfähig gestalten kann. Kardinal Rainer Maria Woelki (Köln), der die Tagung am 10. September besuchte, sprach sich dafür aus, die Sendungsaufgabe der Hochschul- und Studierendengemeinden und der Hochschulzentren stärker in den Vordergrund zu rücken. Zum Auftakt der Tagung hatten der Paderborner Pastoraltheologe Prof. Dr. Hans Hobelsberger und die evangelische Pfarrerin Isabelle Hartmann bereits einen Paradigmenwechsel von der „Angebotskirche“ zur „Kirche im Dazwischen“ angemahnt. In offenen Gesprächsgruppen und Workshops diskutierten die gut 90 Teilnehmenden u.a. über die Bedeutung von Gemeindebildung, das Potential der neuen Medien, die Säkularität der Hochschulwelt, ökumenische Perspektiven der Hochschulgemeinden oder den Stellenwert sozialen und diakonischen Engagements.

 

Kardinal Woelki zum Sendungsauftrag der Hochschulseelsorge

Im Gespräch mit Teilnehmenden der Tagung sprach der Kölner Erzbischof, Kardinal Woelki, den Hochschulseelsorgerinnen und –seelsorgern Mut für ihren pastoralen Auftrag zu und betonte, „es ist gut, dass Sie da sind an den Hochschulen!“ Der an die Getauften und Gefirmten gerichtete Sendungsauftrag, „das Evangelium, die frohe Botschaft von Jesus Christus, anzubieten“, bedeute im Kontext der Hochschulen, die Gottesfrage wach zu halten. Die Katholischen Hochschulgemeinden (KHG) leisten, so der Erzbischof, einen „unabdingbaren“ wichtigen Dienst in den sich weiter säkularisierenden Hochschulen und der Gesellschaft. Dies komme insbesondere jungen interessierten Menschen, die Christsein lernen und leben wollen, zu Gute. Die Kirche stehe heute vor der großen Aufgabe, „aus getauften Menschen erwachsene Christen“ zu machen. Die KHGn sollten Orte sein, in denen die Konsequenzen aus dem geteilten Evangelium bedacht und gelebt werden. Da jeder Christ durch die Taufe berufen ist, in Wort und Tat Zeugnis abzulegen, vermeidet der Erzbischof daher die Rede vom sogenannten Ehrenamt. In der konkreten Wirklichkeit des Sozialraumes Hochschule sollten die Hochschulgemeinden und Hochschulzentren sich ganz bewusst die Sorgen und Nöte der Benachteiligten in dem System Hochschule zu eigen machen und kreativ nach Abhilfe und Unterstützung suchen. Der Christusdienst erweise sich wesenskonstitutiv im diakonischen Handeln. Der christliche Glaube müsse immer einen „Sitz im Leben“ der Menschen haben, denen er als Angebot vorgestellt werde. Hochschulpastoral, die in dieser Weise präsent sei, müsse ihre Daseinsberechtigung oder ihren Erfolg keinesfalls an reinen Zahlen messen lassen. Im Gespräch mit dem Kardinal machten die Hochschulseelsorgerinnen und -seelsorger deutlich, dass sie diesen Paradigmenwechsel durchaus zu leisten bereit seien. Sie betonten aber auch, dass mit Blick auf die personellen und finanziellen Ausstattungen von Hochschulpastoral in manchen Bereichen der kirchlichen Verwaltung und bei vielen Verantwortlichen in den Ortspfarreien und Stadtdekanaten dieses Denken noch nicht „angekommen“ sei.

 

KHP Herbsttagung 2016 zu Ökumene

Die Ergebnisse der Workshops der Tagung werden auf der Homepage des Forum Hochschule und Kirche e.V. (FHoK – www.fhok.de/?p=2586) dokumentiert. Im kommenden Jahr 2016 wird sich die Herbsttagung der KHP mit Fragen der Ökumene und der bekenntnisgebundenen Präsenz der Kirchen an den Hochschulen befassen. Sie findet vom 6. bis 8. September 2016 in Hannover statt.

 

Foto (FHoK): Kardinal Rainer Woelki im Gespräch mit (v.l.) Christine Schardt (Mainz), Dr. Monika Tremel (Nürnberg), Christine Innemann (Rostock), Dr. Thomas Schindler (München TU) und Guido Groß (Koblenz).

Dr. Lukas Rölli (23.09.2015)

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